Rückschlag für Insurtechs: Bafin verlangt mehr Kapital

Startup-Szene bedauert neu angelegte Daumenschrauben der Finanzaufsicht

Die Finanzaufsicht hat angekündigt, künftig von Startups mehr Kapitel zu fordern. Das Ziel: Bis zum Moment der Profitabilität sollen die Insurtechs durchfinanziert sein. Die Startup-Szene bedauert dieses Vorgehen.

Neue Regelungen für Insurtechs sollen vor allem Verbraucher schützen

Die Finanzaufsicht Bafin verlangt künftig von Gründern in der Versicherungsbranche mehr Kapital. - Quelle: Shutterstock.com

Die Finanzaufsicht hat in seiner jüngsten Ausgabe des „Bafin-Journal“ für große Augen in der Startup-Szene gesorgt. In einem Beitrag ist von neuen Eigenmittelanforderungen an künftige Insurtech-Gründer die Rede, damit „künftige Neugründungen schon zum Zulassungszeitpunkt mit mehr Eigenmitteln ausgestattet werden“.

In dem Journal-Beitrag begründet Bafin-Referent Filip Uzelac-Schüler den Schritt damit, dass Insurtechs ihre Geschäftsentwicklung oft überschätzten und dies eine Nachfinanzierung nötig mache. Der Schutz eines Verbrauchers bei einem jungen Anbieter dürfe aber nicht geringer sein als bei einem etablierten Versicherer.

Das Ende für die Wagniskapital-Kultur?

Es lässt sich nur schwer vorherbestimmen, wann ein Startup profitabel sein wird. Zudem hat sich in der Vergangenheit gezeigt, dass es durchaus sinnvoll sein kann, den Moment der Profitabilität nach hinten hinauszuzögern, damit das Startup seine guten Wachstumsaussichten nutzen kann. Hinzu kommt, dass viele Wagniskapitalgeber ihre Gelder viel lieber auf mehrere Finanzierungsrunden aufteilen, um zwischenzeitlich die Entwicklung des Unternehmens im Blick zu haben und zu überprüfen.

Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des Versichererverbands GDV, findet, dass die Bafin mit diesem Schritt zu weit geht. Es sei für ihn nachvollziehbar, den Verbraucher zu schützen. Aber der Versuch einer allgemeinen Regelung, die nicht durch das Versicherungsaufsichtsgesetz gedeckt sei, erscheint dem Verband deutlich zu weitreichend. „Zudem widersprechen restriktive Vorgaben für Insurtechs den Bemühungen von Bundeswirtschafts- und -finanzministerium, mit verschiedenen Instrumenten die Wagniskapitalkultur in Deutschland zu fördern“, so Asmussen.

Bafin-Entscheidung durchaus „problematisch“

Auch Anwalt Frederik Winter äußert sich kritisch zum Bafin-Beschluss. „Die Bafin geht hier aber besonders restriktiv vor. Die Position ist im Hinblick auf Kapitalrunden sehr weitgehend und zum Teil durchaus problematisch.“

Das zusätzliche Kapital für die Insurtechs soll künftig in Form eines Organisationsfonds und versicherungstechnischer Rückstellungen aufgebracht werden. „In Anbetracht der potentiell hohen erwarteten, aber insbesondere auch der unerwarteten Verluste in der Aufbauphase ist dies aus aufsichtsrechtlicher Sicht notwendig und angemessen“, schreibt Uzelac-Schüler in seinem Beitrag weiter.

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