Studie zur Krankenversicherung sorgt für Wirbel

Gesetzliche vs. private Krankenversicherung

Eine aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung provoziert mit dem Ergebnis, dass die Beiträge für Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung sinken könnten, wenn alle Bürger in der GKV wären.

Wirbel um Studie der Bertelsmann-Stiftung

In Europa leistet sich nur Deutschland ein duales System mit gesetzlicher und privater Krankenversicherung.

Als einziges Land in Europa hat Deutschland ein duales System mit gesetzlicher und privater Krankenversicherung (GKV und PKV). Rund 8,8 Millionen Bürger sind privat krankenversichert, etwa 73,2 Millionen gesetzlich. Eine aktuelle Studie des Berliner Iges-Institutes im Auftrag der Bertelsmann Stiftung sorgt jetzt für Wirbel: die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass die Mitglieder der GKV sowie ihre Arbeitgeber jährlich einen dreistelligen Betrag einsparen könnten, wenn alle Bürger gesetzlich versichert wären.

Beiträge der GKV könnten sinken, wenn alle gesetzlich versichert wären

Wie kommt die Bertelsmann-Studie zu diesem Ergebnis? Die Studienautoren stützen sich dabei auf folgende Kalkulation: Privatversicherte verdienen im Durchschnitt mindestens 56 Prozent mehr als gesetzlich Versicherte, zudem sind sie tendenziell gesünder. Wären sie in einer GKV, könnte diese Versicherung mit einem Finanzüberschuss von 8,7 bis 10,6 Milliarden Euro rechnen. Der Beitragssatz ließe sich dann um 0,6 bis 0,7 Prozentpunkte senken. So könnten die Mitglieder der GKV und ihre Arbeitgeber im Jahr durchschnittlich 145 Euro an Beiträgen einsparen.

Kritik von Ärzten, Privatversicherern und Beamten

Kritik an der Studie kommt von Ärzten, privaten Krankenversicherern und dem Beamtenbund. Privat versicherte Bürger, in der Regel sind das gutverdienende Angestellte, Beamte und einkommensstarke Selbstständige, zahlen für ärztliche Leistungen bis zu 2,5-fach höhere Sätze. Sie sorgen so für höhere Einnahmen von Ärzten, Krankenhäusern, Pharmakonzernen und Zahntechnikern. Zusätzlich pumpen die privaten Krankenkassen laut PKV-Verband pro Jahr über 13 Milliarden Euro mehr in das Gesundheitssystem, als über die gesetzlichen Zahlungen üblich wäre. Mit diesem Plus förderten die Privatversicherer Innovationen wie beispielsweise neue und bessere Medikamente für Typ-2-Diabetiker oder Krebspatienten, so die Kritiker, in der GKV würden hingegen nur bereits erprobte Medikamente eingesetzt. Eine Einheitsversicherung würde die Qualität der medizinischen Versorgung in Deutschland reduzieren, so die Befürchtung, wie Beobachtungen aus den Niederlanden oder Großbritannien zeigten. In diesen Ländern wurden Einheitssysteme eingeführt.

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